Praxis-Tipps

Geburtstag und Namenstag

Zur Bedeutung zweier Gedenktage / Segensgebete

Bekanntlich feiern wir den Geburtstag nur zweier Heiliger: den Johannes’ des Täufers am 24. Juni und den der Mutter Jesu, Maria, am 8. September. (Einen dritten Geburtstag gibt es nicht mehr: Die heilige Agnes besaß im fruhen Mittelalter auch eine zweite Feier; neben ihres Märtyrertodes am 21. Februar wurde am Oktavtag auch ihrer Geburt gedacht.) Auch die Feier des Namenstages kommt nur selten in der Liturgie vor: am 3. Januar (Namen Jesu) und am 12. September (Mariä Namen). So begehen wir also den Geburts- und den Namenstag Mariens im selben Monat, nur wenige Tage auseinander liegend.

Der (nicht gebotene) Gedenktag „Mariä Namen“ ist noch jüngeren Datums. Am 12. September 1683, einem Sonntag, der damals in die Oktav des Festes „Mariä Geburt“ fiel, wurden die Turken bei Wien von den christlichen Truppen (unter vorangetragenen Bannern mit dem Bild Mariens) entscheidend geschlagen. Als Dank ordnete Papst Innozenz XI. die Feier dieses Festes am entsprechenden Sonntag an; erst 1911 wurde es fest auf den 12. September gelegt. Im Tagesgebet heißt es: „Gott, unser Retter, der Name der seligen Jungfrau Maria ist für uns ein Zeichen der Hoffnung geworden. Befreie uns auf ihre Fürsprache von allen Gefahren und vollende an uns das Werk der Erlösung.“ Der Name „Maria“ (Mirjam) kommt in der Bibel häufig vor; was freilich genau die Bedeutung ist, lässt sich nicht sagen – nur „Meerstern“ ist wohl nicht richtig und beruht auf einer falschen Übersetzung.

Das Fest der Geburt Mariens hingegen ist älter und wurde wohl schon Mitte des ersten Jahrtausends begangen.


Name und Geburt als Segen

Der Name ist nach biblischer Vorstellung ein Segen. Er hat eine eine eigene Bedeutung und wird zum wesentlichen Merkmal seines Trägers: „Wie sein Name sagt, so ist er“ (1 Sam 25,25) – „nomen est omen“, wie es lateinisch auch heute noch gern gesagt wird. Mit dem Namen ist nach biblischer Vorstellung auch Segen, d. h. Heil und Leben Gottes, verbunden; bisweilen bedeutet der Name selbst schon „Segen“ oder „gesegnet“, wie der hebräische Name Baruch, der gleichbedeutend ist mit dem arabischen Namen Barak (im Englischen: Barack) oder auch mit dem aus dem Lateinischen kommenden Benedikt.

Doch auch die Geburt ist ein Segen: Der Segen Gottes äußert sich ja gerade in der Schaffung des Lebens; Kinder und Kindeskinder zu haben, ist Ausdruck der Segensfülle Gottes, die den Frommen verheißen ist (vgl. Ps 128,5–6). Nicht nur die Geburt Jesu, auch die Mariens wird als Segen fur die Welt gesehen; in der Benedictus-Antiphon am Fest ihrer Geburt heißt es daher: „Deine Geburt, Jungfrau und Gottesmutter, hat der ganzen Welt Freude gebracht. Denn aus dir ging hervor die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott. Er hat den alten Fluch gelöst und Segen gespendet, er hat den Tod vernichtet und ewiges Leben geschenkt.“


Segensfeier und -gebet am Namenstag und Geburtstag

Geburtstag, so sagt der Volksmund, hat jedes Tier, aber Namenstag haben nur die Menschen. Der Namenstag hat noch immer seine Bedeutung, auch wenn von vielen Menschen heute der Name weniger nach seiner Bedeutung oder nach einem Heiligen ausgewählt wird, sondern nach anderen Kriterien (Wohlklang, Besonderheit, Familientradition, Vorbilder). Der alte katholische Brauch, ihn zu begehen, sollte trotzdem beibehalten werden. An ihm kann die Taufkerze entzündet werden, man kann sich mit dem Namen, dessen Bedeutung und verschiedenen bekannten Trägern einmal näher beschäftigen, ein kleines Fest feiern und andere einladen – und vielleicht auch einen Segensgruß sprechen oder als Kärtchen auf den Tisch stellen, um auszudrucken: Der Name ist nicht Schall und Rauch; er erinnert uns daran, dass Gott zu uns eine ganz persönliche Beziehung hat und uns seinen Segen schenkt. 

Aber es wäre nicht richtig, den Geburtstag im christlichen Verständnis abzuwerten; ist doch die christliche Frömmigkeit, ja sogar die Zeitrechnung auf eine Geburt, die Geburt Christi, bezogen. So sollte ein Geburtstag nicht ohne Segen bleiben; die Taufkerze kann auch an diesem Tag auf dem Tisch stehen, ein Gebet mit dem Dank an Gott und der Bitte seines Segens fur das Leben des Geburtstagskindes gesprochen oder auch ein Lied gesungen werden, das über „Happy birthday“ hinausgeht – vielleicht das bekannte „Du bist du“ von Jürgen Werth, in dem es so schön heißt: „Vergiss es nie: Dass du lebst, war eines anderen Idee, und dass du atmest, sein Geschenk an dich. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu …“.

 

Segensgebet am Geburtstag

Gott der Vater
halte dich in seiner Hand.
Er hat dich gewollt als der/die, der/die du bist,
du bist wertvoll in seinen Augen.

Jesus Christus
sei dir zu Seite an allen Tagen deines Lebens.
Er ist dein Bruder, der dich aus ganzem Herzen liebt.

Der Heilige Geist
führe dich auf gutem Weg in die Zukunft;
er schenke dir Freude und Lust am Leben und gebe dir
Kraft in Stunden der Angst und Traurigkeit.

So segne dich unser Gott in deinem neuen Lebensjahr:
der Vater, + der Sohn und der Heilige Geist."

 

Segensgebet am Namenstag

Guter Gott,
du hast dich offenbart und uns deinen Namen genannt:
Ich bin da – für euch.
Jede und jeden von uns hast du in deine Hand eingeschrieben,
du kennst uns und rufst uns beim Namen.

Wir bitten dich:
Blicke voll Liebe auf N. N., die/der heute Namenstag feiert.
Lass sie/ihn deinen Segen erfahren,
den du ihr/ihm zugesprochen hast,
und deine Nähe spüren in allem, was ihr/ihm begegnet.

Darum bitten wir dich durch Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn in Ewigkeit."

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