Aus der Redaktion

Sprachliches

Zu Kyrie und Schuldbekenntnis

Manchmal geraten Formulierungen unfreiwillig komisch: Wenn der Priester am Ende der Einführung in den Gottesdienst vor den Kyrie-Rufen dazu einlädt: „Wir wollen jetzt den Herrn anrufen", so kann das auch etwas anderes assoziieren, als gemeint ist … Die Einladung „Wir wollen den Herrn in unsere Mitte rufen“ ist vielleicht weniger zweideutig, aber theologisch schief. Schließlich ist Jesus Christus kein Flaschengeist, den man bei Bedarf herabruft. Und die Gemeinde, in deren Mitte er erscheinen soll, ist keine spiritistische Gemeinschaft, die durch Tischrücken oder ähnliches mit den Verstorbenen Kontakt aufnimmt.

Auch die Aufforderung: „Wir wollen jetzt den Herrn in unserer Mitte begrüßen", ist nicht sinnvoll. Wenn zuvor schon Christus im Eröffnungslied besungen und durch Kuss und Inzens des Altars verehrt wurde, warum wird er erst jetzt „begrüßt"? Schließlich ist die Versammlung der Gemeinde eine Versammlung in seiner Gegenwart; er tritt also nicht hinzu wie ein Entertainer, der mit Applaus begrüßt wird. Diese Formulierungen assoziieren etwas Dinglich-Statisches. Die Gegenwart Christi in der Gemeindeversammlung ist aber etwas anders als ein bloßes Da-Sein. Von daher ist es angemessener zu sagen: „Wir wollen zu unserem Herrn rufen" oder „Wir wollen uns zu ihm bekennen." Oder besser gar nichts, denn auch die ständige Besprechung dessen, was wir tun oder zu tun gedenken, ist eine liturgische Unart, die man sich besser versagt.

A propos: Auch vom „Versagen" wird in der Liturgie oft gesprochen – nicht nur in offiziellen Gebeten, sondern auch in freien Worten (Einführung, vor Bußakt oder Friedensgruß). Versagen: ein hartes Wort. Das Zugunglück Anfang 2016 in Bayern wird auf „menschliches Versagen" zurückgeführt. In welcher Weise haben wir „versagt"? Weil es uns nicht gelingt, so zu leben, wie es unserem Christsein entspricht? Betrachtet Gott uns damit als Versager – oder wir uns selbst? Kann man nicht andere Worte verwenden als Schuld und Versagen? Ohnmacht, enge Grenzen, Ängstlichkeit, Sehnsucht, wie es auch in GL 437 bezeichnet wird? Das trifft die eigene Befindlichkeit eher. Das, was nicht gelungen, / was nur Stückwerk blieb, bringen wir vor dich: / Du wirst es vollenden – / Herr, erbarme dich.

Guido Fuchs

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