Aus der Redaktion

Den Herrn anrufen

Jemanden anrufen: Diese Formulierung wird heute meist eindeutig verstanden.

Wenn der Priester am Ende der Einführung in den Gottesdienst vor den Kyrie-Rufen dazu einlädt, „wir wollen jetzt den Herrn anrufen“, so kann das eben auch etwas anderes assoziieren, als gemeint ist, und manchem wird vor seinem inneren Auge vielleicht ein Jesus in Tiki-Küstenmacher-Manier aufscheinen, dem von einem hilfreichen Engel ein Handy gereicht wird: „Für dich, Herr …“.

„Den Herrn in unsere Mitte rufen“ ist vielleicht weniger missverständlich, aber theologisch schief. Schließlich ist Jesus Christus kein Flaschengeist, den man bei Bedarf herabruft. Und die Gemeinde, in deren Mitte er erscheinen soll, ist keine spiritistische Gemeinschaft, die durch Tischrücken oder ähnliches mit den Verstorbenen Kontakt aufnimmt.

Auch die Aufforderung „Wir wollen jetzt den Herrn in unserer Mitte begrüßen“ ist nicht sinnvoll. Wenn zuvor schon Christus im Eröffnungslied besungen und durch Kuss und Inzens des Altars verehrt wurde, warum wird er erst jetzt „begrüßt“? Schließlich ist die Versammlung der Gemeinde eine Versammlung in seiner Gegenwart; er tritt also nicht zu ihr hinzu wie ein Entertainer, der eigens mit Applaus begrüßt wird.

All diese Formulierungen assoziieren etwas Dinglich-Statisches. Die Gegenwart Christi in der Gemeindeversammlung ist aber etwas anders als ein plumpes Da-Sein. Von daher ist es angemessener zu sagen: „Wir wollen zu unserem Herrn rufen“ oder „Wir wollen uns zu ihm bekennen.“

Oder besser gar nichts Entsprechendes, denn auch die ständige Besprechung dessen, was wir tun oder zu tun gedenken, kann eine sprachliche Unart sein.  gf

Zurück zur Übersicht

Newsletter
Verlag Pustet

Erhalten Sie als Erster:

  • Infos über Neuerscheinungen
  • Veranstaltungstipps
  • Pressestimmen
Abonnieren

Buchreihe
konkrete Liturgie

Die ideale Ergänzung zu Liturgie konkret.

Alle Bücher

Formate & Preise
im Vergleich

Gedruck oder digital - was passt zu mir?

Zur Produktübersicht

Bücher von
Pustet

Erfahren Sie mehr über das Traditionsunternehmen Pustet:

Verlag Friedrich Pustet
Buchhandlungen
Grafischer Großbetrieb